ROCKTIMES

Corporate-ID - Shining Flame

Review 08.08.2011

Seit einigen Tagen dreht sich zu meiner wachsenden Begeisterung das zweite Album von Corporate ID
 in meinem CD-Player. Die Truppe wurde im Jahr 2005 gegründet und nach einer EP sowie einer
Konzert-DVD erschien 2009 schließlich deren Debüt "Mount Rock". Bei der Combo aus dem
Schleswig-Holsteinischen Kiel haben wir es mit einem klassischen Hardrock-Power-Trio zu tun,
das seine Wurzeln unverkennbar in den siebziger Jahren hat. Zunächst hatte ich, fragt mich nicht warum,
auf Skandinavien getippt - um so schöner, dass diese starke Mucke gar in Deutschland produziert wurde.

Deutlich herauszuhören bei den vorliegenden sieben Tracks sind die Bands und Musiker, die die
Kieler inspiriert haben. Nur um ein paar Namen in die Runde zu schmeißen, seien hier mal
Black Sabbath, Led Zeppelin, Kiss oder Rainbow mit Ronnie James Dio genannt. Aber so
unmöglich diese Einflüsse weg zu diskutieren sind, so deutlich muss auch gesagt werden, dass die
Norddeutschen hier ein sehr geiles Album abgeliefert haben. Bluesiger, powervoller Hardrock springt
mir bereits bei "Still Loving You" aus den Boxen entgegen. Mit Bassist Martin Simon hat Corporate ID
einen sehr starken Sänger in ihren Reihen, der sowohl jede Menge Druck machen wie auch sehr
gefühlvoll agieren kann.

Die Songs sind sehr geradlinig und relativ simpel gestrickt, werden allerdings in höchstem Masse
effektiv rübergebracht. War die erste Nummer bluesig im Stil alter Zeppelin-Klassiker, geht "Hero For
A Day" doch deutlich mehr in die Offensive. Da wird nicht nur jede Menge Dampf gemacht, sondern
die Gesangslinien setzen sich trotz aller Rauheit auch noch wunderbar im Ohr fest. Und obendrauf
gibt es auch noch ein starkes Gitarren-Solo von Peter Blackhead, das passenderweise ohne
Frickeleien auskommt. Klasse! Für das Feuer unter dem Dach, das von hinten kommt, sorgt
Plug Larsson, der ein wahres Powerhouse ist.

Der Titelsong beginnt mit einem klassischen Hardrock-Riff und entwickelt sich dann zu einem
gestandenen Midtempo-Rocker. Immer wieder fällt der bärenstarke Gesang Simons auf, der den
Tracks ihr Gesicht verleiht. "Sky Turns Black" ist ein bluesiger Rocker, der mich - von
Martins Stimme abgesehen - angenehm an Trapeze zu "Medusa"-Zeiten (1971/72) erinnert.
Die Intensität wird hier immer weiter gesteigert, um sich dann in einem gefühlvollen Solo
wieder zu entladen. Bei "Riding On A Dream" könnte man meinen, dass der selige Ronnie James Dio
die Gesangsmelodie höchstpersönlich für ein Rainbow-Stück aus dem Jahr 1978 komponiert hätte.
Ohne jetzt direkte Vergleiche ins Spiel bringen zu wollen, bringt der Simon die Nummer aber
auch sehr überzeugend.

Der Songtitel "Hurricane" ist eher irreführend, da es sich dabei um eine weitere bluesige Ballade
handelt. Sehr gelungen werden aber immer wieder Tempowechsel eingebaut, sprich auch mal aufs
Gaspedal getreten, wodurch auch nur der Ansatz von aufkommender Langeweile gekonnt vermieden wird.
"Game Of Love" halte ich für die am wenigsten gelungene Nummer auf "Shining Flame", was aber noch
lange nicht heißt, dass sie ein Total-Ausfall wäre. Denn dafür sind Corporate ID schlicht und
ergreifend zu gut. Für mein Gusto passiert bei "Game..." einfach nur ein bisschen zu wenig und
auch der Text ist nicht unbedingt eine Offenbarung.

Hardrock-/Classic Rock-Freunden kann ich "Shining Flame" aber besten Gewissens und wärmstens
empfehlen. Leichte Abzüge gibt es dafür, dass die alten Heroen der drei Musiker doch sehr deutlich
um die Ecke schielen. Nichtsdestotrotz strotzen diese sieben Tracks nur so vor Kraft und Substanz,
sind druckvoll wie melodiös und können schließlich auch mit wehenden Fahnen die Ziellinie als
Sieger überqueren. Dickes Lob von mir!

Zum Reinschnuppern bieten sich die ersten beiden Tracks, "Still Loving You" und
"Hero For A Day" wohl am ehesten an.

http://www.rocktimes.de/gesamt/c/corporate_id/shining_flame.html